Projekt Erlebte Stadtnatur: Von Spechtschmieden und anderen Naturwundern

MWagener/ November 10, 2020/ Schulleben


Jeremy hat eine Spechtschmiede entdeckt
(Bild: Andreas Witt)

„Boah, was ist das denn!?“, neugierig beugt sich Jeremy aus der 5 b über eine Vertiefung in der Baumrinde. Die Stelle ist unscheinbar, erst bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass in der Rinde die Schale einer Haselnuss eingekeilt wurde.

„Das ist eine Spechtschmiede“, freut sich Anna Kollossova von Querwaldein, die die Exkursion in den Thielenbruch fachkundig begleitet. „Hier hat ein Specht eine Nuss eingekeilt, um sie dann mit dem Schnabel zu zerhacken, er hat ja keine Hände, um sie festzuhalten“. 

„Ganz schön clever vom Specht“, findet Jeremy. Die Entdeckung ist Teil einer kleinen „Challenge“, bei der die Schülerinnen und Schüler der 5 b des Hölderlin Gymnasiums in Begleitung ihres Biologie-Lehrers Andreas Witt und unter sachkundiger Anleitung der Naturpädagogen von Querwaldein, im Thielenbruch gezielt nach kleinen Natur­wundern suchen. Die Spechtschmiede zeigt den Schülern exemplarisch, dass man viele span­nen­de Dinge übersieht, wenn man gedankenlos durch den Wald spaziert. 

Die Exkursion ist Teil eines größeren Konzeptes. Im Rahmen der NRW weiten Aktion „Schule der Zukunft“, sind das Hölderlin Gymnasium und Querwaldein 2017 eine Kooperation eingegangen. Regelmäßig besuchen seitdem Schulklassen und Kurse zusam­men mit Querwaldein den Wald im Thielenbruch, um „Stadtnatur“ zu ent­decken. Jetzt 2020, am Ende der Kampagne, wurde das Hölderlin Gymnasium für sein Engagement im Bereich der Umwelterziehung als „Schule der Zukunft“ in der Stufe 1 ausgezeichnet. 

Die offizielle Überreichung der Urkunde an den Schulleiter des Hölderlin Gymnasiums, Hr. Dr. Feldmar, fand heute am 3. November wegen der Corona Pandemie im kleinen Rahmen auf dem Schulhof statt. Die Kampagne wird seit vielen Jahren von der Natur und Umweltschutz­aka­demie (NUA) in Recklinghausen betreut und soll Schulen in ganz NRW ermutigen, mehr „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) zu wagen.

Schon vor der offiziellen Teilnahme hatte sich die Schule im Bereich der Umwelt­bil­dung stark gemacht. So wurde 2016 unter Federführung der Biologie­lehrerin Jennifer Hillesheim, eine Schulgarten AG gegründet, die Mülltrennung in allen Klassenräumen eingeführt und ein Schulfest zum Thema Nachhaltigkeit gefeiert.

Das Projekt „Stadtnatur“, mit dem sich die Schule um die Auszeichnung beworben hat, dient vor allem dem Ziel, Schülerinnen und Schüler aus der Großstadt Köln, wieder mit der Natur in ihrer unmittelbaren Umgebung vertraut zu machen.

Es richtet sich auch an die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Aus­gerüstet mit I-Pads begaben sich Schülerinnen und Schüler eines Bio Grundkurses im Juli 2018 auf eine QR-Code Rallye, bei der sie mit Hilfe einer App Blumen und Insekten bestimmen mussten.

Der Modulare Modellgarten am Institut für Biologiedidaktik zeigt exemplarisch, dass di­­gi­tale Medien und analoges Naturerleben kein Widerspruch sein müssen.

Entwickelt wurde die QR-Code Rallye von Lehramtsstudierenden der Biologie an der Universität Köln.

Es kostet ein wenig Überwindung: Luwam  und Selena bei der Untersuchung eines Komposthaufens im Modularen Modellgarten des Instituts für Biologiedidaktik in Köln. (Bild: Andreas Witt)
Hr. Dr. Feldmar, Thalia und Jeremy mit der Auszeichnung, sowie Herr Witt und Alexa Schiefer.

Mittelfristig soll das Thema „Nachhaltigkeit“ am Hölderlin Gymnasium aber auch in die anderen Fächer hineingetragen und dort in den Lehrplänen verankert werden, denn das Thema hat nicht nur natur­wissen­schaftliche Aspekte. Zum Beispiel können die ethischen und wirtschaftlichen Heraus­forderungen der Klimawandels besser in Fächern wie Religion oder Sozial­wissenschaften diskutiert werden. Genau dies wäre auch die Voraussetzung für die Erreichung der Stufe 2.

Autor: Andreas Witt 

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